TÓRSHAVN, 16.09.2011 – Dänemark hat gewählt und steht vor dem ersten Regierungswechsel seit 10 Jahren. Mit der Sozialdemokratin Helle Thorning-Schmidt wirdvoraussichtlich zum ersten Mal eine Frau in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt werden. Doch nicht nur in Dänemark bedeutet die Wahl einen kleinen Zeitenwechsel, sondern auch auf den Färöer-Inseln: Denn zum ersten Mal seit 1981 stellen die färöischen Parteien, die sich für mehr Souveränität und eine stärkere Loslösung von Dänemark aussprechen, keinen der beiden färöischen Abgeordneten im dänischen Folketing.
Früher war das nichts Besonderes. Bis zu Beginn der 1970er Jahre wurde die Wahl zum dänischen Parlament von der Republikanischen Partei (Tjóðveldi) sogar ganz boykottiert. Entscheidend waren für sie nur die Wahlen zum Løgting, dem in ihren Augen einzig legitimen Parlament der Färöer-Inseln. Doch seit den 1970er Jahren identifizierten auch die Republikaner eine Vertretung im Folketing als politisches Mittel, um ihrem Wunsch für mehr färöische Selbständigkeit von Dänemark größeres Gehör zu verleihen. Seit 2001 organisierten sie sich zusammen mit den Abgeordneten der Selbständigkeitsparteien Grönlands in der Nordatlantischen Gruppe.
Diese muss nun einen schweren Schlag hinnehmen, da Høgni Hoydal, ihr Sprecher und Gründer sowie Parteivorsitzender der Republikaner, nach zehn Jahren nicht mehr wiedergewählt wurde. Die Republikaner verloren im Vergleich zur Wahl von 2007 6,0% und fielen damit hinter die Sozialdemokratische Partei (Javnaðarflokkurin) zurück, deren Kandidat Sjúrður Skaale den zweiten färöischen Sitz im dänischen Parlament ergatterte. Edmund Joensen, bisheriger Folketing-Abgeordneter der Unionspartei (Sambandsflokkurin), konnte seinen Sitz hingegen mit großem Vorsprung verteidigen, während die andere große Selbständigkeitspartei der Färöer-Inseln, die Volkspartei (Fólkaflokkurin), nur noch viertstärkste Kraft wurde und damit auch keinen Sitz erringen konnte.
| Partei |
Wahl 2011 (#) |
Wahl 2011 (%) |
Diff. zu 2007 (%) |
|
| A. | Volkspartei (Fólkaflokkurin) |
3.932 |
19,0 |
-1,5 |
| B. | Unionspartei (Sambandsflokkurin) |
6.361 |
30,8 |
+7,3 |
| C. | Sozialdemokratische Partei (Javnaðarflokkurin) |
4.328 |
21,0 |
+0,6 |
| D. | Selbständigkeitspartei (Sjálvstýrisflokkurin) |
481 |
2,3 |
-1,2 |
| E. | Republikanische Partei (Tjóðveldi) |
3.998 |
19,4 |
-6,0 |
| H. | Zentrumspartei (Miðflokkurin) |
872 |
4,2 |
-2,6 |
| X. | Unabhängige Liste |
672 |
3,3 |
+3,3 |
Haben die Selbständigkeitsparteien damit zum ersten Mal seit 1981 kein Sprachrohr mehr im dänischen Parlament?
Formal gesehen ja, weil mit Edmund Joensen und Sjúrður Skaale nun die Vertreter der Unionspartei und der Sozialdemokratischen Partei die färöischen Interessen im dänischen Parlament vertreten werden. Beide Parteien plädieren für den Erhalt der Union mit Dänemark und die Beibehaltung des seit 1948 gültigen Autonomiestatuts. Allerdings ist die Frage nicht abschließend zu beantworten, da Skaale noch bis Mai 2011 Mitglied der Republikanischen Partei und damit Befürworter einer Loslösung von Dänemark war. Wegen eines Zerwürfnisses mit Parteichef Hoydal verließ er die Partei und wurde im August 2011 zur Überraschung vieler von der Sozialdemokratischen Partei zu deren Kandidaten für die Wahl zum dänischen Parlament bestimmt.
Steckt mit Skaale ein Unabhängigkeitsbefürworter in Unionskleidern?
Fakt ist, dass weder Skaale seine Ansichten um 180 Grad gedreht hat, noch dass die Sozialdemokratische Partei auf einmal eine Selbständigkeitspartei geworden ist. Vieles spricht für eine pragmatische und offenbar erfolgreiche Wahlallianz, die Skaale und die Partei miteinander eingegangen sind. Die Sozialdemokratische Partei versteht sich weiterhin als eine die Union zu Dänemark befürwortende Partei, bietet aber gleichzeitig Personen mit sozialdemokratischen Überzeugungen Raum, die einen moderaten Unabhängigkeitskurs vertreten. Wie die Wahlen zeigen, hat dieser Kurs der Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratischen Partei nicht geschadet.

